„Entschlossenes Eintreten für eine freie Kultur in einer freien Gesellschaft!“

Gedanken zum 30-jährigen Jubiläum des Kulturrat NRW
von Lorenz Deutsch, Vorsitzender des Kulturrat NRW

30 Jahre Kulturrat NRW – das sind 30 Jahre Einsatz für Künstlerinnen und Künstler, für gute Bedingungen ihrer Produktion, für kulturelle Bildung und Teilhabe, für die Freiheit der Kunst und die Stärkung ihrer vielfältigen Effekte für eine demokratische und plurale Gesellschaft. Kultur als integralen Baustein einer offenen Gesellschaft zu verstehen, war immer die leitende Überzeugung für den Kulturrat NRW. Der Einsatz für die Eigenlogiken der Künste und zugleich ihrer Öffnung für die gesamte Gesellschaft bleibt Auftrag für die Zukunft.

Freie Kultur und demokratische Verfasstheit sind nicht zweierlei, sie sind eins!
Dies gilt in diesen Tagen unseres dreißigjährigen Bestehens in besonderer Weise. Wir erleben aktuell die Herausforderung sicher geglaubter, zentraler Werte unseres Zusammenlebens. Die zunehmende Polarisierung im politischen Diskurs bedroht Pluralität, Offenheit und die Akzeptanz demokratischer Meinungsvielfalt. Meinungsverschiedenheit wird zunehmend als Feindschaft interpretiert. Dass in dieser Entwicklung Kultur und Kulturpolitik in den Fokus der Kulturkämpfe gerät, ist kein Zufall. Es ist die direkte Folge einer unauflösbaren Verbindung: die demokratisch-pluralistische Verfasstheit unserer Gesellschaft ist Bedingungsraum für die freie Entfaltung der Künste, diese Entfaltung ist zugleich selbst Entwicklungsraum für eine freie, sich selbst kritisch reflektierende Gesellschaft. Freie Kultur und demokratische Verfasstheit sind nicht zweierlei, sie sind eins!

Politische Neutralität ist nicht nur keine Haltung, sie wäre sträflich verantwortungslos.
Diese Einheit ist aktuell bedroht wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Die liberale Demokratie wird von Rechts offen in Frage gestellt. Die AfD setzt auf die Privilegierung vermeintlich deutscher Kultur und auf die Ausgrenzung von aggressiv als fremd markierter Kultur. Spaltung und Feindschaft sind die Triebfedern ihrer populistischen Angriffe auf einzelne Künstlerinnen und Künstler, auf einzelne Institutionen oder ganzer Diskursformationen für Pluralität und Diversität. Der Kulturrat NRW stellt sich dem aus tiefer Überzeugung entgegen! Politische Neutralität ist in der Verteidigung unserer freiheitlichen Verfasstheit nicht nur keine Haltung, sie wäre sträflich verantwortungslos.

Auftrag für Gegenwart und Zukunft
30 Jahre Kulturrat NRW sind ein Auftrag, dieser Verantwortung gerecht zu werden. In dieser Zeit ist unser Jubiläum kein Anlass für selbstzufriedene Rückschau – es ist Anlass für klare Positionierung und entschlossenes Eintreten für eine freie Kultur in einer freien Gesellschaft!

Lorenz Deutsch
Vorsitzender Kulturrat NRW

 

 

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