Fachtagung – Kultur im Land der Städte

// 22.09.2011-23.09.2011:

Das Kulturland Nordrhein-Westfalen unterscheidet sich erheblich von den anderen Bundesländern.
Es ist ganz überwiegend kommunal angelegt, und dem entspricht, dass auch die Finanzierung
der Kultur zu 80 Prozent von den Städten und Gemeinden getragen wird. Die Kulturpolitik
in NRW lebt entsprechend dieser polyzentrischen Anlage von einem vielgestaltigen Mit- und
Gegeneinander der Kräfte. Das kommunale Prinzip und das korrespondierende zivilgesellschaftliche
Engagement stehen einerseits für die Vielfalt der Angebote; andererseits liegt gerade darin auch die Schwierigkeit, dieses besondere Profil der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaft griffig oder gar identitätsstiftend nach innen und außen zu vermitteln.
Ist vielleicht gerade die dezentrale Struktur NRWs besonders zeitgemäß, mit Blick auf die Maxime
„act local, think global“? Könnte sich gerade die starke kommunale Verankerung der Kultur in diesem Land, nahe an den Menschen und nahe an der Lebenswirklichkeit vor Ort als vorbildlich auch für andere Kulturstandorte erweisen, vorausgesetzt, dass der kommunalen Finanzmisere
und ihren Auswirkungen auf die Kulturfinanzierung wirksam begegnet wird?
In der urbanen Lebenswelt weiter Teile NRWs spiegelt sich die gesellschaftliche Wirklichkeit besonders deutlich. So leben in den Städten Einwanderer und Einheimische Tür an Tür. Dort treffen soziale Unterschiede besonders intensiv aufeinander, und in den Städten schreitet – Stichwort: zunehmende Single-Haushalte – die Partikularisierung voran. Die Einwanderung, die Alterung und die Schrumpfung haben diese Gesellschaft und ihre Kultur verändert und verändern sie weiter. Im besonders bevölkerungsreichen NRW, einem der am dichtesten besiedelten Räume Europas, wirken sich diese Veränderungen mehr und früher aus als in anderen Regionen und Ländern. Identität und Differenz sind im Zuge dessen ebenfalls der Veränderung unterworfen.
Auf diese Begriffe lässt sich das Mit- und Gegeneinander der Städte Nordrhein-Westfalens und
ihrer Kultur bringen.
Unter dem Aspekt „NRW, die Länder und der Bund“ wird die Tagung in Berlin folgende Fragen
stellen und diskutieren:
· Welche Unterschiede gibt es zwischen der Kulturlandschaft NRWs und anderen Bundesländern
bzw. Berlin?
· Worin liegen die Besonderheiten des urban geprägten, polyzentrischen NRWs im Vergleich
mit anderen Bundesländern?
· Wie lässt sich die Identität des Bindestrichlandes fassen und entwickeln, im Unterschied etwa zu jahrhundertelang entwickelten „Marken“ wie Bayern und Berlin?
· Wie sieht sich NRW als Kulturland, und wie wird es von außen gesehen?
· Was hat zu dieser Wahrnehmung von innen und außen die Kulturhauptstadt 2010 beigetragen?

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Die „Verhältnisse im Land selbst“ werden unter folgenden Fragestellungen analysiert und diskutiert.
· Was bedeutet es, dass das Bild NRWs stark von der Identität von Städten im kulturellen
Wettbewerb bestimmt wird, der wiederum von unterschiedlichen Profilen und damit von
der Differenz dominiert wird?
· Welche Rolle spielen dabei Kunst, Kultur und Kulturelle Bildung?
· Wie soll sich die kulturelle Infrastruktur entwickeln?
· Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: Brauchen wir mehr oder weniger, andere Museen, Theater, Konzerthäuser?
· Und: Inwieweit wird in der Kultur programmlich und beschäftigungsbezogen dem Rechnung getragen, dass es sich gerade in den Ballungsgebieten um eine Einwanderungsgesellschaft handelt?
· Wie muss sich zukünftig das Verhältnis von Städten und Land weiterentwickeln?
· Wie kann der Dialog zwischen den Akteuren der NRW-Kultur verbessert und können
damit mittelfristige Planungen auf eine möglichst breite Grundlage gestellt werden?
Hintergrund für die genannten Themen und Fragen ist die kulturpolitische Arbeit der aktuellen
Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Was ist geschehen, was muss geschehen, wie soll es
geschehen?

Ziel der Veranstaltung ist es, die Möglichkeiten und Voraussetzungen einer NRW-Kulturpolitik der nächsten Jahre zu analysieren und Empfehlungen zu geben. Die Veranstaltung ist auch geeignet als Bühne für die Landesregierung, sich zu positionieren und Wege des weiteren Diskurses
über die behandelten Fragen zu weisen. Die Tagung mit Vorträgen und Diskussionen versteht sich als Versuch, mögliche Linien einer Kulturpolitik in und für NRW zu zeichnen. Sie soll als Auftakt dienen für die Weiterentwicklung des dort Besprochenen in weiteren, themenspezifischeren Foren und Konferenzen NRWs.

Veranstalter:
NRW KULTURsekretariat in Kooperation mit
Kultursekretariat NRW Güterslohn,Kulturrat NRW, Städtetag NRW

Termin: 22.-23. September 2011, Beginn: 12.00 Uhr

Veranstaltungsort:
Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund, Hiroshimastraße 12 – 16, 10785 Berlin (Tiergarten)

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Tagungsablauf
Donnerstag, 22. September
(Am Vormittag tagen der Arbeitsausschuss und Hauptausschuss des NRW KULTURsekretariats
und des Kultursekretariats NRW Gütersloh)

12.00 Uhr Einlass mit Imbiss

13.00 Uhr Begrüßung

13.30 Uhr Thematischer Impuls

14.30-16.00 Uhr Forum I:
Demografie und Kultur – wie viel und welche Kultur brauchen wir für wen?
Zwei konträre Impulse und Diskussion

14.30-16.00 Uhr Forum II:
Wo bleibt die Kunst? Kulturelle Bildung in Schule und Kulturinstitutionen.
Zwei konträre Impulse und Diskussion

16.00-16.30 Uhr Empfehlungen

16.30-17.30 Kaffeepause

17.30-19.00 Uhr Podiumsdiskussion
Stadt-Land, Lokal-Global: Chancen und Risiken des Kulturlandes Nordrhein-Westfalen
mit Isabell Pfeiffer-Poensgen (Kulturstiftung der Länder), Dr. Hans-Georg Küppers (Deutscher
Städtetag), Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages, angefragt), Ute Schäfer
(Kulturministerin NRW, angefragt)

ab 20.00 Uhr Büffet mit Abendprogramm

Freitag, 23. September

9.30-11.00 Uhr Forum III:
Kultur im Geflecht von Land, Stadt und Akteuren
Zwei unterschiedliche Impulse: Kommunal, Land und Diskussion

9.30-11.00 Uhr Forum IV:
Kultur, Partizipation, Verantwortung: Wie werden Bürger zu Kulturakteuren, wie werden
kulturpolitische Entscheidungen verankert?
Zwei unterschiedliche Impulse aus den Bereichen Soziokultur und der sog. Hochkultur

11.00-11.30 Uhr Empfehlungen anschließend Kaffeepause

12.00-13.00 Uhr Zusammenfassung der Tagungsergebnisse
Ende der Tagung

Tagungsmoderation: Michael Köhler

Ihre Anmeldung mit dem Hinweis, an welchen Foren Sie teilnehmen möchten, richten Sie bitte an das

NRW KULTURsekretariat (Susanne Lenz, Tel.: 0202-698 27 214, Fax: 0202-698 27 203, E-Mail: lenz@nrw-kultur.de).

Ihre Hotelübernachtung in der Nähe der Landesvertretung für 82,50 Euro kann über das NRW KULTURsekretariat verbindlich gebucht werden, sofern uns Ihre Anmeldung mit der entsprechenden Anforderung bis zum 25. Juli 2011 erreicht.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos.

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