Stellungnahme des Kulturrats NRW zur Drucksache 18/14523
„Musik ins Leben! Für eine starke kulturelle Bildung in NRW“
eingebracht von den Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
für die Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags NRW am 13.11.2025
- Einleitung
Der Kulturrat Nordrhein-Westfalen begrüßt ausdrücklich den Antrag der Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen „Musik ins Leben! Für eine starke kulturelle Bildung in NRW“. Der Antrag bekräftigt die zentrale Bedeutung musikalischer Bildung für Persönlichkeitsentwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und kulturelle Teilhabe und erkennt zugleich an, dass Musik als Bestandteil der kulturellen Bildung in allen Lebensphasen gestärkt werden muss.
Als Dachverband der landesweiten Kulturverbände in NRW versteht der Kulturrat die kulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe der gesamten Kulturpolitik. Musik ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil – aber sie steht zugleich in enger Wechselwirkung mit allen anderen Künsten und kulturellen Ausdrucksformen: mit Theater, Tanz, Literatur, Bildender Kunst, Film, Medien und Soziokultur. Kulturelle Bildung darf daher nicht in Sparten zerfallen, sondern braucht integrierte Strukturen, in denen musikalische, künstlerische und mediale Bildung gemeinsam gedacht, geplant und gefördert werden.
- Unterstützung der Stellungnahme des Landesmusikrats NRW
Der Kulturrat NRW schließt sich den zentralen Einschätzungen und Forderungen des Landesmusikrats NRW uneingeschränkt an.
Die in seiner Stellungnahme hervorgehobenen Punkte – insbesondere
- die Sicherung und Verstetigung frühkindlicher musikalischer Bildung,
- die Wiederbelebung und personelle Stärkung des Musikunterrichts in Schulen,
- die nachhaltige Finanzierung der öffentlichen Musikschulen,
- die gezielte Förderung der Amateurmusik und der Community Music,
- sowie eine koordinierte Fachkräfteoffensive –
sind aus Sicht des Kulturrats NRW elementare Voraussetzungen für eine lebendige kulturelle Bildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen.
Der Landesmusikrat hat überzeugend dargelegt, dass musikalische Bildung nicht nur ästhetische, sondern auch soziale, inklusive und demokratische Funktionen erfüllt. Der Kulturrat NRW unterstützt daher die Forderung nach einer strukturell gesicherten Landeskoordination musikalischer Bildung ausdrücklich.
- Erweiterung des Blicks: Kulturelle Bildung als Gesamtaufgabe
Musikalische Bildung ist Teil einer umfassenden kulturellen Bildung, die alle Künste und Ausdrucksformen umfasst. Politisches Handeln muss daher sicherstellen, dass Förderung und Weiterentwicklung musikalischer Bildung immer im Kontext der gesamten kulturellen Bildung stehen.
Eine zukunftsorientierte Bildungspolitik braucht:
- Ganzheitliche Strategien: Musik, Theater, Tanz, Bildende Kunst, Literatur, Film, Medienkunst und Soziokultur müssen gemeinsam gedacht werden. Kulturelle Bildung entsteht im Zusammenspiel dieser Disziplinen.
- Verlässliche Strukturen: Projekte sind wertvoll, aber sie ersetzen keine dauerhafte Förderung. NRW braucht langfristig angelegte Bildungsnetzwerke und institutionell gesicherte Angebote.
- Koordinierte Politik: Kultur-, Bildungs-, Jugend-, Wissenschafts- und Sozialressorts müssen ihre Programme systematisch verzahnen.
- Zugangsgerechtigkeit: Kulturelle Bildung darf nicht vom Wohnort, vom Geldbeutel oder vom familiären Hintergrund abhängen. Ländliche und finanzschwache Kommunen benötigen besondere Unterstützung, um kulturelle Bildungsangebote für Menschen aller Altersgruppen zu schaffen.
- Kulturelle Teilhabe als Demokratiebildung: Kulturelle Bildung vermittelt Werte wie Empathie, Dialogfähigkeit und Kritikfähigkeit – zentrale Kompetenzen für demokratische Gesellschaften.
Der Kulturrat NRW regt daher an, die vom Landesmusikrat vorgeschlagene „Landeskoordination musikalische Bildung“ in eine „Landeskoordination Kulturelle Bildung NRW“ unter Einbeziehung der Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“ in Remscheid einzubetten, die spartenübergreifend arbeitet, Austausch ermöglicht und ressortübergreifend gesteuert wird. Besonderes Augenmerk sollte auf einer flächendeckenden Umsetzung von Programmen und Maßnahmen liegen und die frühkindliche kulturelle Bildung fokussieren.
- Handlungsempfehlungen
- Unterstützung der im Antrag genannten Maßnahmen
Der Kulturrat NRW unterstützt die im Antrag formulierten Maßnahmen zur Stärkung der musikalischen Bildung und regt zugleich an, diese als Teil einer Gesamtstrategie Kulturelle Bildung zu verstehen. - Verstetigung der Programme
Landesweit erfolgreiche Programme wie „JeKits“, „Kita & Musikschule“, „Netzwerk Kitamusik“ oder „Toni singt“ zeigen die Wirksamkeit kultureller Bildungsarbeit. Entscheidend ist nun ihre langfristige Absicherung und Erweiterung auf weitere Kunstsparten. - Fachkräfteoffensive Kulturpädagogik
Eine nachhaltige kulturelle Bildung braucht ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen in allen Sparten. Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur die Musik, sondern auch Theaterpädagogik, Tanzvermittlung, Literatur u.a. Entsprechend muss die Fachkräfteoffensive interdisziplinär angelegt werden. - Verzahnung schulischer und außerschulischer Bildung
Schulen, Musik- und Kunstschulen, Jugendkunstschulen, Kulturvereine und freie Szene sollten stärker kooperieren. Der schulische Ganztag bietet dafür große Chancen, wenn er qualitativ hochwertig und kulturell vielfältig gestaltet wird. - Kommunale Bildungsnetzwerke stärken
Kultur findet lokal statt. Kommunale Bildungslandschaften müssen als kulturelle Netzwerke verstanden werden, die Musik, Kunst, Soziokultur und Jugendbildung verknüpfen. Hierzu braucht es Beratung, Förderung und verbindliche Strukturen.
Schluss
Der Kulturrat NRW teilt die Einschätzung des Landesmusikrats, dass Musik ein Grundpfeiler kultureller und demokratischer Bildung ist. Er erweitert diesen Ansatz um die Forderung, musikalische Bildung als integralen Bestandteil einer umfassenden kulturellen Bildungspolitik zu begreifen. Nur wenn das Land kulturelle Bildung als gemeinsame Aufgabe aller Künste, Ressorts und gesellschaftlichen Akteure versteht, kann sie ihre volle Wirkung für Kreativität, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie entfalten.
Der Kulturrat NRW und seine AG Kulturelle Bildung bieten an, an der Weiterentwicklung einer landesweiten Strategie Kulturelle Bildung mitzuwirken und die Mitgliedsverbände in diesen Prozess einzubringen.
Lorenz Deutsch
Vorsitzender
6.11.2025
Kontakt: Catalina Rojas Hauser, Geschäftsführerin Kulturrat NRW – c.rojashauser@kulturrat-nrw.de