Diversität ist eine gesellschaftliche Realität, die dennoch – wieder zunehmend – Delegitimationsversuchen von rechtpopulistischer und rechtsextremer Seite unterliegt, wie auch der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt verdeutlicht hat.
Resilienzstrategien für Diversitätsarbeit
Für uns vom Runden Tisch Diversität NRW steigt damit die Bedeutung von solidarischer Vernetzung und Schutzkonzepten für Vielfalt in Kultureinrichtungen noch einmal zusätzlich. Aus diesem Grund wählten wir das Thema Resilienz als Schwerpunktthema unserer Sitzung am 9. September 2026 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in NRW.
Auf der Sitzung setzten wir uns mit der Theorie der Resilienz auseinander und reflektierten anhand dessen die Stärken unserer Einrichtungen und Verbände sowie deren Potenzial, sich als Organisation, ihre Mitarbeitenden und ihre Diversitätsarbeit vor rechtsextremistischem Einfluss zu schützen.
„Unser Ding machen“ – inspirierend wirkte die Eröffnung der Sitzung durch die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.
Dr. Rüschoff-Parzinger fand klare Worte für die Bedeutung von Diversität für unsere Gesellschaft: „Menschheit in dieser Form gäbe es nicht ohne kulturellen Austausch, ohne Informationsaustausch, ohne Migration. Wir würden nicht weiterkommen und keine Krisen überwinden. Wir brauchen Vielfalt und Diversität, das bereichert unsere Gesellschaft immens.“
Zudem benannte sie die aktuellen Schwierigkeiten für die Menschen und die Arbeit im Kontext von Diversität – und das nicht nur von rechtsaußen. Zur Verdeutlichung skizzierte sie Beispiele aus der Kulturarbeit des LWL.
Erschreckend sei dabei insbesondere, dass Einrichtungen und Organisationen das Thema Diversität oft bereits mit vorhereilendem Gehorsam aus ihren Arbeitsbereichen verbannen würden. Dabei komme es gerade jetzt auf den Einsatz für Diversität und gesellschaftliche Offenheit auf Grundlage unserer Verfassung an. Sie habe zwar kein Patentrezept, aber ihre Strategie lautet „Unser Ding machen und nicht daran zu orientieren, was andere denken oder wie sie reagieren könnten.“
Im Rahmen des Inputs des anwesenden LWL-Teams wurden dann wirksame Ansätze zur Diversitätsförderung veranschaulicht: Unter anderem skizzierten sie Vorgehen und Erkenntnisse eines Prozesses zur diversitätssensiblen Öffnung im LWL. Zudem gaben sie Einblicke in einen jüngst aufgesetzten partizipativen Prozess zur Resilienzstärkung des Verbandes. Diese spannenden Impulse trugen wesentlich zur Konstruktivität der gesamten Sitzung bei!
Besonderen Dank also an die Inputgebenden der Sitzung:
- Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin
- Rike-Kristin Baca Duque, Referatsleitung Kultur: Resilienz-Strategie am LWL
- Anja Junghans, Diversitätsbeauftragte Museum Henrichshütte, zum Netzwerk „Diversität und Inklusion im Museumsbereich“
- Reyhan Özdemir, Diversitäts- und Inklusionsmanagerin LWL-Museum für Naturkunde, zur Programm.Personal.Publikum-Förderung für das LWL-Museum für Naturkunde
Großen Dank zudem an die Teilnehmenden für die wichtige und konstante Arbeit für Diversität und das vertrauensvolle Miteinander.
Zum Resilienzbergriff
In der Resilienztheorie geht es um die Entwicklung von Fähigkeiten, um in der Gegenwart akute Krisen zu bewältigen.
Für Kultureinrichtungen bedeutet das konkret, die eigenen strukturellen Stärken und thematischen Schwerpunkte zu identifizieren und die Strukturen so weiterzuentwickeln, dass die Schwerpunktthemen geschützt und weiterentwickelt werden können.
Organisationale Resilienz ist also „die erlernbare Fähigkeit einer Organisation, einen Umgang mit Krisen zu finden, um langfristig handlungsfähig zu bleiben“ und „eine resiliente Organisation ist auf Basis ihrer jeweiligen Ressourcen auf den Ebenen der einzelnen Personen (individuell), deren Zusammenwirken (intersubjektiv) sowie der Organisation selbst (strukturell) imstande, kontextspezifische Handlungsstrategien auszuwählen, um mit der jeweiligen Krise umzugehen“.
Als (Resilienz-)Ressourcen werden sowohl Greifbares, etwa finanzielle Puffer oder Infrastrukturen, als auch nicht greifbare organisationspsychologische und -kulturelle Aspekte verstanden.
Darunter fallen zum Beispiel ein guter Informationsfluss innerhalb der Organisation oder ein stabiles Netzwerk zum Austausch mit anderen Organisationen.