Stellungnahme des Kulturrat NRW zum Antrag der Landtagsfraktionen von SPD und FDP:
„Die Landesregierung muss das Sterben freier Theaterhäuser in NRW verhindern! “
Anhörung des Kultur- und Medienausschusses am 26. Juni 2025
Seitens des Kulturrats NRW, des Dachverbands nordrhein-westfälischer Kulturverbände, begrüßen wir den Antrag der Fraktionen von SPD und FDP. Wir danken für die Möglichkeit, Stellung zu nehmen.
Im Detail schließen wir uns den Ausführungen unseres Mitgliedsverbands, dem NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste an. Hierbei möchten wir folgende Punkte unterstreichen:
- Aus Sicht des Kulturrats ist eine Anpassung der Förderungen für die Freien Theaterhäuser an die Richtlinie zur fairen Bezahlung notwendig, um auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige und professionelle Arbeit zu gewährleisten. Die Gegenfinanzierung der Honoraruntergrenzen muss gesichert werden. Nur so kann die Abwanderung qualifizierten Personals sowie die Schließung kleinerer Produktionsstätten verhindert werden, für die bereits der Wegfall kleiner Summen existenzbedrohend sein kann.
- Betrachtet man den Ausschnitt der freien Theaterhäuser innerhalb des Gesamtkonstrukts der Förderarchitektur in Bund, Land und Kommune, sollte unbedingt berücksichtigt werden, welche Konsequenzen es hat, wenn eine Ebene ihre Förderung deutlich reduziert oder gar einstellt.
- Auch unterstützen wir die im Antrag formulierte Forderung, eine strukturelle Sicherung der Häuser über eine Dynamisierung zu gewährleisten, die Tarifsteigerungen und Inflation berücksichtigt. Das gibt einerseits dem Theaterhaus als Arbeitgeber eine personelle wie wirtschaftliche Planungssicherheit, trägt dabei auch der Tatsache Rechnung, dass mit öffentlichem Geld öffentliche Aufgaben übernommen werden und vor diesem Hintergrund auch eine gewisse Anlehnung an Tarif-Rahmen ermöglicht wird.
Als Dachverband der Kulturverbände möchten wir in dieser Stellungnahme den Blick weiten und auch über den Tellerrand des Theaterbereichs sehen:
In finanzknappen Zeiten sollte die Frage gestellt werden, wie die noch vorhandenen Ressourcen über die Sparten hinweg eingesetzt werden. Als Kulturrat NRW können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass aktuell vor allem die Freien Darstellenden Künste von Einsparmaßnahmen betroffen zu sein scheinen. Die deutlichen Kürzungen in der Exzellenz- und Spitzenförderung sowie bei den Kinder- und Jugendtheatern (siehe Einzelheiten dazu auch in der Stellungnahme des NRW LfDK) könnten diese These stützen, zumal uns aus anderen Bereichen (noch) keine vergleichbaren Maßnahmen bekannt sind. Dies lässt Raum für Spekulationen, die wiederum zu Verunsicherung in der Szene führen. Daher wiederholen wir unsere Aufforderung zum Dialog mit der Szene und den Fachverbänden. Ein weiterer nächster Schritt könnte die im Kulturgesetzbuch (§ 25) formulierte Durchführung von spartenbezogenen Konferenzen sein.
Gleichzeitig möchten wir Gelegenheit nutzen, um auf Teile unserer Stellungnahme vom März dieses Jahres zu erinnern, in der wir herausstellen, wie wichtig eine konzeptbasierte, transparente und partizipativ ausgerichtete Gestaltung der Förderarchitektur für den Kulturbereich insgesamt ist.
„Angesichts der angespannten Haushaltslage und einer voraussichtlich 2026 nicht eintretenden Verbesserung dieser Lage sieht der Kulturrat NRW es als unerlässlich an, die Förderkonzepte und -systematiken auf das Fundament einer breiten Abstimmung zu stellen. Derzeit wird in weiten Teilen der Künstlerschaft eine solche Abstimmung vermisst. Stattdessen herrscht der Eindruck vor, als würden Kürzungen und sogar Streichungen punktuell und kurzfristig entschieden. Dabei ist auch unklar, wie genau die Entscheidungen nach welchen Kriterien getroffen werden, wodurch Vertrauen verloren geht. Um in dieser Hinsicht Abhilfe zu schaffen, bedarf es aus Sicht des Kulturrats NRW zunächst eines transparenten Dialogs mit der Kulturszene über die Pläne zu konkreten Förderveränderungen. Die Szene verfügt über eine fundierte Expertise, die in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens zum Zwecke der Erarbeitung eines Konzepts von großem Nutzen sein kann. Im Rahmen von Gesprächen mit Verbandsvertreterinnen und -vertretern sollte gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden, damit die vielfältige (freie) Kulturszene des Landes nicht als Verlierer aus der aktuellen wirtschaftlichen Krise herausgeht.
Wir möchten deshalb an dieser Stelle unsere bereits im März vorgestellte Idee einer Kulturentwicklungsplanung für die Freie Szene des Landes NRW wiederholen. Dabei sollte in Konsultationen die Möglichkeit gegeben werden, Ideen des Ministeriums für Kultur zu reflektieren und mit der Szene rückzukoppeln, ähnlich wie es in vielen Kommunen des Landes seit einigen Jahren geschieht. Im regelmäßigen und koordinierten Dialog abgestimmte Förderkonzepte würden zur Sicherung der kulturellen Vielfalt in Nordrhein-Westfalen maßgeblich beitragen.“
Lorenz Deutsch
Vorsitzender des Kulturrats NRW
18. Juni 2025