Kulturelle Bildung in der Soziokultur stärken – Anhörung im Kulturausschuss des Landtags am 26.02.2026

Stellungnahme des Kulturrat NRW zur Drucksache 18/15917

 „Kulturelle Bildung in der Soziokultur stärken“
eingebracht von der Fraktion der CDU und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
für die Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien am 26.02.2026

Seitens des Kulturrat NRW, des Dachverbands nordrhein-westfälischer Kulturverbände, begrüßen wir den Antrag „Kulturelle Bildung in der Soziokultur stärken“ der Fraktionen von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der die Bedeutung der Soziokultur und ihrer Zentren als Orte für gesellschaftliche Teilhabe, künstlerische Praxis, kulturelle Begegnung und ehrenamtliches Engagement hervorhebt.

Wir danken für die Einladung, Stellung zu nehmen. Grundsätzlich schließen wir uns der Stellungnahme unseres Mitgliedsverbands Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NRW e.V. an.

Folgende Aspekte möchten wir besonders betonen:

Gerade im Feld der Kulturellen Bildung bietet die Soziokultur Möglichkeitsräume für Menschen aller Altersgruppen, um Kultur nicht nur zu erleben, sondern sich künstlerisch zu erproben und zu entwickeln. Soziokultur agiert aus ihrem Grundverständnis heraus beteiligungsorientiert und lädt ein zur Mitgestaltung. Sie eröffnet nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen über die ganze Lebensspanne hinweg niedrigschwellige Frei- und Spielräume für kulturelle Beteiligung, kreative Initiativen und eigenes künstlerisches Schaffen, die andernorts nicht in dieser Form zur Verfügung stehen. Während Hochkultur sich in den urbanen Zentren abspielt, erreichen die Angebote Kultureller Bildung der Soziokultur Menschen in ihrem Lebensumfeld, auch in ländlichen Räumen und in strukturschwachen Stadtquartieren. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Zugangsgerechtigkeit in der Kultur.

Einzigartig ist auch der spartenübergreifende Ansatz in der Soziokultur, in der ganz unterschiedliche Kunstformen eine Bühne, einen Proberaum, eine Werkstatt oder ein Labor für kulturelle Innovation finden. Das offene Setting bietet Entwicklungsraum für künstlerischen Nachwuchs jenseits der Akademisierung.

Soziokulturelle Zentren sind zudem Orte der intergenerationellen Begegnung, die für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. In Projekten und Angeboten der Kulturellen Bildung kommen Menschen unterschiedlichen Alters zusammen und tauschen sich über das Medium der Kunst aus. Solche Begegnungen ermöglichen gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis füreinander.

Problemlage

Generell stehen die Soziokulturellen Zentren aufgrund ihrer vielfach prekären finanziellen Ausstattung und einer hohen Eigenerwirtschaftungsquote unter wirtschaftlichem Druck, der sich in den vergangenen Jahren durch die Steigerung von Energie- und Lohnkosten und durch die Inflation noch verstärkt hat. Auf Bundesebene wurde der Fonds Soziokultur als einziger Kulturfonds für das Jahr 2026 gekürzt, die Profilförderung ganz ausgesetzt. Damit gerät die Projektförderung in diesem Bereich weiter unter Druck.

Empfehlungen

Um Kulturelle Bildung in der Soziokultur zu stärken, brauchen Soziokulturelle Zentren eine auskömmliche Finanzierung und Planungssicherheit, um Angebote der Kulturellen Bildung personell und finanziell aufrecht erhalten zu können.

Das Programm „Strukturförderung Soziokultur“, welches das Ministerium für dieses Jahr erstmalig ausgeschrieben hat, ist ein guter Schritt, um die Förderung im Bereich der Kulturellen Bildung neu zu strukturieren und das Antragsverfahren zu vereinfachen. Es ermöglicht den Zentren jenseits von Projektförderung personelle Ressourcen, die sie für partizipative Formate und Angebote der Kulturellen Bildung einsetzen können. In dem Zuschussverfahren bemisst sich die Förderung besonders an der Anzahl der beteiligungsorientierten Kulturangebote und der Formate Kultureller Bildung.

Die Stärkung der Kulturellen Bildung in der Soziokultur – wie auch in den anderen Sparten – erfordert aus der Perspektive des Kulturrat NRW folgende Maßnahmen:

  • Fortschreibung und finanzielle Aufstockung der „Strukturförderung Soziokultur“ ab 2027 nach der einjährigen Pilotphase. Eine mehrjährige Förderung ist notwendig, um den soziokulturellen Zentren Planungssicherheit zu geben und um Angebote der Kulturellen Bildung dauerhaft zu etablieren und anzubieten;
  • Maßnahmen der Qualifizierung, um die Qualität und Entwicklung der Kulturellen Bildung in der soziokulturellen Arbeit zu unterstützen;
  • Stärkung der vielfältigen soziokulturellen Infrastruktur in NRW, besonders in strukturschwachen Stadtquartieren und in ländlichen Räumen, durch Aufstockung der Fördermittel;
  • Entwicklung einer Gesamtstrategie Kulturelle Teilhabe, die alle Sparten, Zielgruppen und Diversitätsaspekte berücksichtigt. Das im parteiübergreifenden Landtagsbeschluss im Juli 2024 gefasste, aber bisher nicht konkretisierte Gesamtkonzept Kulturelle Bildung muss weiterentwickelt werden zu einer Zukunftsstrategie, die kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Statt Spartendenken benötigen wir integrierte, teilhabeorientierte Strukturen, in denen kulturelle Bildung und Teilhabe gemeinsam gedacht, geplant und gefördert werden.

Im Übrigen verweisen wir auf die Forderungen in unseren Stellungnahmen zu den Drucksachen 18/14523 „Musik ins Leben! Für eine starke kulturelle Bildung in NRW“ sowie 18/14022 „Tanz als Bestandteil kultureller Bildung in Nordrhein-Westfalen stärken – Strukturen sichern und Teilhabe erhalten!“

Almuth Fricke
Sprecherin der Sektion Soziokultur und Spartenübergreifende Kultur, Kulturrat NRW

Lorenz Deutsch
Vorsitzender Kulturrat NRW

17.02.2026

Kontakt: Margrit Lichtschlag, Geschäftsführerin Kulturrat NRW – m.lichtschlag@kulturrat-nrw.de

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